Dalai Lama zur Flüchtlingskrise: „Deutschland kann nicht arabisch werden“

Tibetan spiritual leader the Dalai Lama talks with journalists in Geneva

 

Der tibetische Dalai Lama ist wahrscheinlich der bekannteste Flüchtling der Welt. Während des Tibetaufstands 1959 floh er vor der Verfolgung durch die chinesische Regierung nach Indien und hat seither keinen tibetischen Boden mehr betreten.

Zur europäischen Flüchtlingskrise hat Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, eine klare Meinung – die viele überraschen wird.

Er hält eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen in Europa für notwendig und moralisch vertretbar, sagt er in einem Gespräch mit Journalisten der „FAZ“ im nordindischen Dharamsala.

„Deutschland ist Deutschland“

Zwar hätten Bessergestellte eine Verantwortung, Flüchtlingen zu helfen. Doch sei deren Zahl etwa in Deutschland inzwischen zu hoch, sagte er.

„Deutschland kann kein arabisches Land werden. Deutschland ist Deutschland“, sagte Gyatso.

Aus moralischer Sicht sei es richtig, Flüchtlinge nur vorübergehend aufzunehmen, sagte der Dalai Lama. „Das Ziel sollte sein, dass sie zurückkehren und beim Wiederaufbau ihrer eigenen Länder mithelfen.“

Der Dalai Lama ruft allerdings dazu auf, nicht die gesamte islamische Welt aufgrund der traurigen Ereignisse zu verurteilen, die von einer kleinen Gruppe ausgeht.

„Es sind muslimische Individuen und kleine Gruppen, die sich in ihren eigenen Ländern gegenseitig umbringen. Schiiten, Sunniten. Sie repräsentieren nicht den gesamten Islam und nicht alle Muslime.“

„Bösartige Leute gibt es auch bei Buddhisten, Christen und Juden“

Auch im Islam sei wie in jeder Religion die Kernbotschaft die Liebe. „Bösartige Leute gibt es auch bei den Buddhisten, den Christen, den Juden und den Hindus.“

Mit Blick auf seine Heimat äußerte der 80 Jahre alte Religionsführer die Hoffnung, „vielleicht in ein paar Jahren“ zumindest für einen kurzen Besuch nach Tibet zurückkehren zu können.

Der Wandel in China stimme ihn trotz der Repressionen in Tibet zuversichtlich. Als bemerkenswert hob er hervor, dass Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping den Buddhismus mehrfach als wichtigen Teil der chinesischen Kultur bezeichnet habe.

Über den Streit mit der chinesischen Führung über seine Reinkarnation sagte der höchste Mönch im tibetischen Buddhismus: Die Entscheidung, ob es auch in Zukunft einen Dalai Lama geben werde, hänge allein von dem Willen der Tibeter ab.

Erste Gespräche darüber sollten schon in diesem Jahr geführt werden. Zugleich sagte er, es wäre ihm lieber, „wenn die Tradition des Dalai Lamas mit einem solch populären und recht guten Dalai Lama“ wie ihm selbst enden würde.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s